Ein Nutzer hat mir per Mail eine sehr gründliche Durchsicht der Risiko-Seite geschickt, inklusive Nachrechnen. Ich poste den Kern hier, weil die Punkte alle die Verständlichkeit betreffen und deshalb alle angehen.
Der Befund: Die Zahlen stimmen, sie sagen nur nicht, was sie sind.
Gesamtscore, VaR, CVaR und die Stresstests wurden nachgerechnet und sind korrekt. Die Kritik setzt an der Beschriftung an, und sie sitzt:
1. Zwei Dimensionen heißen falsch herum. "Anlagetyp-Diversifikation" und "Länder-Diversifikation" klingen nach etwas Gutem, ein hoher Wert erhöht aber den Risikoscore. Künftig: Positionskonzentration, Größte Einzelposition, Anlagetyp-Konzentration, Sitzland-Konzentration.
2. Die größte Einzelposition wird zu milde eingestuft. Eine Position mit gut 15 Prozent Depotanteil bekommt heute die Einstufung "niedrig". Ursache: Alle vier Dimensionen laufen durch dieselben Schwellen. Für einen Konzentrationsindex ist das vertretbar, für einen Prozentsatz nicht. Neue Staffel: unter 5 niedrig, 5 bis 10 moderat, 10 bis 20 erhöht, 20 bis 30 hoch, darüber sehr hoch.
3. Der Konzentrationswert braucht eine Übersetzung. Eine 8 sagt niemandem etwas. "Entspricht ungefähr 12,5 gleich gewichteten Positionen" schon.
4. Die Score-Rechnung gehört aufklappbar unter die Zahl. Jede Dimension mit ihrem Gewicht, darunter die Summe. Dann sieht man sofort, welche Dimension den Score treibt, statt eine Zahl hinzunehmen.
5. Struktur und Historie sind zwei verschiedene Dinge. Der Score misst ausschließlich die Aufteilung deines Depots heute. Er kennt weder Kurse noch Schwankungen. Daneben stehen Volatilität, CVaR und Drawdown, also gemessene Vergangenheit. Das gehört als zwei getrennte Bewertungen dargestellt, sonst liest sich eine mittlere Strukturnote wie eine Entwarnung für das ganze Depot.
6. Marktrisiko braucht einen Bezug. Eine Volatilität von 30 Prozent heißt nichts ohne die Zeile "MSCI World im selben Zeitraum: x Prozent". Dieselbe Vergleichszeile für CVaR und maximalen Drawdown.
7. Kleinkram mit großer Wirkung. VaR und CVaR zusätzlich fachlich benennen, inklusive des Hinweises, dass der Verlust in etwa einer von 20 Wochen größer ausfällt. Den Zeitraum ehrlich beschriften, also "3J, davon x Jahre verfügbar", statt einen gekürzten Zeitraum wie einen vollen aussehen zu lassen. Und die Drawdown-Dauer aufteilen in Rückgang, Erholung und Gesamtzeit unter dem alten Hoch.
Was ich mache: alles davon. Ich fange mit den Namen und den Schwellen der Einzelposition an, weil dort aktuell eine sichtbar falsche Einstufung steht. Danach die Score-Aufklappung und die Trennung von struktureller und historischer Sicht.
Frage an euch: Beim Länder-Stresstest wird ein ETF heute komplett einer Region zugeordnet. Eine echte Durchschau nach Sitzland ist machbar, aber ein eigener Brocken. Wie wichtig ist euch das im Vergleich zu den Punkten oben?
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